Versicherungsbedingungen verständlich erklärt: Die Handyversicherung

Von grob fahrlässig bis vorsätzlich

• Katja Nauck • 1 Kommentar • 
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Wissen Sie, was der „bestimmungsgemäße Gebrauch“ Ihres Handys ist? Verstehen Sie, wieso Ihre Versicherung die Regulierung Ihres Handyschadens mit der Begründung „grob fahrlässig“ ablehnt? Wer eine Handyversicherung abschließt, sollte sich mit den Versicherungsbedingungen vertraut machen und wissen, in welchen Fällen Schäden abgesichert sind. Mit unseren Tipps verstehen Sie Ihren HandySchutzbrief besser!

fahrlässig vorsätzlich Handyversicherung © friendsurance

Wenn Sie eine Handyversicherung abschließen, erklären Sie sich mit den Versicherungsbedingungen einverstanden. Jeder HandySchutzbrief enthält gesonderte Versicherungsbedingungen, die der Versicherte kennen sollte. Denn er regelt, worin der Gegenstand der Versicherung besteht, welche Geräte versichert sind, welche Leistungen die Versicherung beinhaltet und was vom Versicherungsschutz ausgeschlossen ist. Als Kunde sollten Sie wissen, welche Leistungen Sie im Versicherungsfall erhalten können und wie ein Schadensfall definiert ist. Damit Sie nicht überrascht sind, wenn die Versicherung bei der Meldung Ihres Schadens genauer nachfragt oder Sie Ihren Versicherungsanspruch verlieren.

Besonders wichtig: Ein Schaden muss innerhalb von 14 Tagen bei Ihrer Versicherung gemeldet werden.

Der Gegenstand Ihrer Versicherung – Schadensarten und „bestimmungsgemäßer Gebrauch“

Versichert sind immer nur jene Schäden, die auch in den Versicherungsbedingungen genannt werden. Das Schadensereignis Ihrer Handyversicherung (also der Schaden, den Sie melden können, um den Versicherungsanspruch geltend zu machen) muss sich durch folgende Eigenschaften auszeichnen:

– ein plötzliches und unerwartetes Ereignis
– die unmittelbare Verursachung eines Schadens

Die Versicherungsbedingungen beschreiben genau die Umstände, unter denen bestimmte Schäden versichert sind:

„Sturz-, Bruch- und Flüssigkeitsschäden innerhalb des bestimmungsgemäßen Gebrauchs“

Das heißt, das Handy ist nur versichert, wenn durch diese Schadensarten der übliche Gebrauch nicht mehr ausgeführt werden kann – also, man kann nicht mehr telefonieren, SMS schreiben, das Handy bedienen etc. Ein Kratzer auf dem Display oder dem Handy-Gehäuse wäre demnach noch nicht ausreichend, denn Sie können mit diesem Handy noch telefonieren und alle App-Funktionen nutzen.

„Schäden durch Plünderung, Sabotage, Vandalismus und vorsätzliche Beschädigung durch unberechtigte Dritte“

Hier ist gemeint, dass ein Dritter (also eine fremde Person) Ihr Handy derart zerstört oder beschädigt, dass Sie es nicht mehr benutzen können. Voraussetzung für die Übernahme des Schadens ist, dass Sie nicht wissen, wer das Handy zerstört hat. Dann gilt der Versicherungsanspruch Ihrer Handyversicherung. Wenn Sie die Person benennen können, die den Schaden verursacht hat, kann dieser haftbar gemacht werden und dessen Haftpflichtversicherung müsste zahlen. Hier wäre Ihre Handyversicherung nicht mehr zuständig. Sollte derjenige nicht versichert sein, würde er mit seinem Privatvermögen für den Schaden aufkommen müssen. Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung mit Forderungsausfalldeckung besitzen, würde diese haften, wenn der Dritte kein Vermögen hat, mit dem er den Schaden begleichen kann.

„Abhandenkommen des Geräts durch Raub und Einbruch-Diebstahl“

Das heißt, das Handy ist versichert, wenn sich eine fremde Person durch Nötigung oder Gewalt Ihr Handy aneignet (Raub) oder eine fremde Person Ihr Handy aus einem verschlossenen Raum entwendet, zu dem nur Sie Zugang haben könnten. Als verschlossener Raum gilt auch ein Kraftfahrzeug. Das Handy ist nicht versichert bei einfachem Diebstahl, d.h. wenn es z.B. aus Ihrer Tasche entwendet wird.

„Schäden durch Brand, Explosion, Implosion, Überspannung, Induktion, Kurzschluss“

Ihr Handy ist versichert, wenn es durch einen Brand oder Explosion beschädigt wird, ebenso wenn durch nicht kalkulierte Einflüsse ein Kurzschluss entsteht, es sei denn Sie hätten diesen selbst verursacht durch fahrlässiges Verhalten.

„Konstruktions-, Material- und Montagefehler“

Diese sind nur versichert, wenn Sie nicht mehr durch die Hersteller-Garantie abgedeckt sind.

Hinweis zur Schadensmeldung

Nachdem Sie Ihren Schaden gemeldet haben, prüft die Handyversicherung genau, ob es sich um ein versichertes Schadensereignis gemäß der Versicherungsbedingungen handelt. Dazu verlangt Sie eine genaue Schilderung, notwendige Nachweise und ggf. Unterlagen. Auf Verlangen der Versicherung müssen Sie Ihr Handy zur Reparatur einschicken oder erhalten ein Ersatzgerät. Bei einem Raub oder Einbruch-Diebstahl ist unbedingt die Anzeige bei der Polizei vorzulegen. Diese muss binnen 48 Stunden erfolgt sein. Weitere Informationen zum Verhalten bei Einbruch-Diebstahl oder Raub finden Sie in unserem Blogartikel „Handy gestohlen“.

Heben Sie unbedingt alle Garantiebelege, Rechnungen und sonstige Unterlagen Ihres Handys auf! Auch dies ist als Pflicht in Ihrem HandySchutzbrief geregelt. Sonst kann es Ihnen im Schadensfall passieren, dass die Versicherung von Ihrer Leistung entbunden ist, da nötige Unterlagen nicht vorliegen.

Sie möchten wissen, wie Sie Ihren Handyschaden melden sollen? Ausführliche Informationen finden Sie in diesem Artikel: So melden Sie Ihren Handyschaden.

Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen: Vorsätzlich und grob fahrlässig herbeigeführte Versicherungsfälle

Jede Versicherung und auch die Handyversicherung schließt jene Fälle aus, die grob fahrlässig oder mit Vorsatz begangen werden. Was genau bedeutet das eigentlich?

Vorsätzlich:

Wenn Sie vorsätzlich eine Tat begehen, heißt das, Sie handeln bewusst und im vollen Wissen über die Konsequenzen. D.h. es steht eine Absicht hinter der Tat und Sie wissen, was passieren kann oder wird. Wenn Sie bewusst Ihr Handy ins Feuer legen würden und es entsteht ein Brandschaden, haben Sie mit Vorsatz gehandelt, da Sie wussten, was passieren wird.

Grob fahrlässig:

Sie verhalten sich fahrlässig, wenn Sie ohne die nötige Sorgfalt oder Vorsicht handeln. Wenn Sie das Handy in wassernahen Bereichen wie z.B. Bad oder Küche mit sich führen oder es in den Pool oder ans Meer mitnehmen, erhöht sich die Gefahr einen Schadens. Gleiches gilt bei sportlichen Aktivitäten oder körperlichen Arbeiten, bei denen Sie das Handy mitnehmen. Die Wahrscheinlichkeit von grober Fahrlässigkeit ist hier massiv gegeben. Insofern sollten Sie besser darauf verzichten, Ihr Handy in solchen sogenannten Risikozonen mit sich zu führen.

Wenn einer dieser genannten Tatbestände zutrifft, ist die Versicherung nicht zur Leistung verpflichtet oder kürzt je nach Schwere anteilig Ihre Leistung. Bei fahrlässigem Verhalten gibt es immer einen gewissen Spielraum, den jede Versicherung im Einzelfall anders bewertet.

Weitere wichtige Ausschlüsse vom Versicherungsschutz:

Risse, Kratz-, Schramm- und Scheuerschäden sowie Ausbrüche, die reine Schönheitsfehler darstellen und nicht den bestimmungsgemäßen Gebrauch beeinträchtigen
– Normale, gebrauchsbedingte Abnutzungschäden
– Schäden, die entstehen, wenn Sie das Gerät entgegen seiner Bestimmung verwenden, also nicht damit Telefonieren, SMS schreiben oder eine der üblichen Anwendungen eines Smartphones nutzen, entgegen der Bedienungsanleitung
– Schäden, die durch Reparaturen, Service- oder Reinigungsarbeiten von Dritten ausgeführt wurden, die nicht durch die Versicherung autorisiert wurden.

Ohne Freigabe der Versicherung sollten Sie daher nie Ihr Handy reparieren lassen, da Sie ansonsten den Versicherungsschutz gefährden. Sobald Sie selbst oder ein Dritter Ihr Gerät reparieren, für das Sie eine Geräteversicherung abgeschlossen haben, sollten Sie sich bewusst sein, dass der Versicherungsschutz in diesem Falle erlischt, wenn aufgrund der Reparatur ein Schaden entsteht.

Katja Nauck war bis November 2016 Social-Media-Managerin bei Friendsurance und verantwortete den Content im Friendsurance Blog. Sie sammelte bereits Erfahrung als Blogredakteurin und Social Media Verantwortliche für verschiedene Startups und Verlage.

Eine Meinung

  1. Dagmar Spona sagt:

    Ihre Ausführungen zu „Dritten“ im Sinne des Versicherungsrechts sind nicht richtig. Dritter im Rechtssinne ist immer jemand, der außerhalb des Vertragsverhältnisses steht, beim Versicherungsvertrag also der, der weder Versicherungsnehmer noch Versicherer ist. Unter bestimmten Umständen kommt im Versicherungsrecht in bestimmten Konstellatione noch weitere Personen hinzu, die dann nicht Dritte sind, zum Beispiel die Versicherte Person, wenn dies nicht gleichzeitig der Versicherungsnehmer ist. Völlig unerheblich ist jedenfalls, ob man die Person kennt oder nicht. Es muss gerade keine fremde Person sein.
    Auch Diebstahl und Raub können durch eine bekannte Person verübt werden. Natürlich kann der Versicherer in bestimmten Grenzen diese Begriff auch definieren, sollten diese Definitionen – wie beschrieben aber erfolgt sein, stellt sich schon die Frage, ob das mit den Regelungen über AGB und dem VVG zu vereinbaren ist. Selbst wenn, wäre die Versicherung wertlos, weil sie dann so gut wie nie zahlt.

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