Metaversum wird Arbeitsplätze und Arbeitsprozesse selbst verändern

• Yana Neff • Keine Kommentare • 

Lenovo hat im Januar eine Untersuchung durchgeführt, wie Metaversen die Arbeitsweise der Unternehmen und Mitarbeiter verändern können. Lenovo hat das Fachinstitut YouGov mit der Befragung von rund 7.500 Berufstätigen in den USA, Großbritannien, Brasilien, Singapur, China und Japan beauftragt. Die Studie hat ergeben, dass fast die Hälfte (44 %) der Befragten gerne in einem Metaversum arbeiten würden und glaubt, dass dies die Produktivität verbessern kann. 20 % haben angegeben, nicht in einem Metaversum arbeiten zu wollen, 21 % war es egal, und 15 % haben gesagt, sie haben sich noch keine Meinung gebildet.

Begriff: Das Metaversum ist ein virtueller Raum, der ständig in Betrieb ist und nie abgeschaltet wird. Es nutzt zahlreiche Technologien, die den Menschen in die digitale Welt eintauchen lassen. Metaversum schafft seine eigenen Gesetze und eigene Wirtschaft, im Wesentlichen ist es ein Unitarstaat.

51% der Befragten haben deutlich geäußert: Die Geschwindigkeit, mit der ihre Arbeitgeber das Metaversum ins Arbeitsleben bringen, ist ein Bereitschafts-Indikator für Veränderungen. Z.B. für den Einsatz der virtuellen oder erweiterten Realität in Arbeitsprozess. 59 % sind der Meinung, dass ihre Arbeitgeber das Metaversum entweder noch nicht kennen oder nicht genug tun, um solche Technologien am Arbeitsplatz einzuführen.
Ziemlich optimistisch waren Befragte in China (54 %), Brasilien (53 %) und Singapur (51 %). Sie sind der Meinung, dass ihre Arbeitgeber bereits über genügend Kapazitäten verfügen, um neue Technologien einzuführen. Beschäftigte aus dem Vereinigten Königreich (30 %) und Japan (18 %) teilten diese Ansicht am Wenigsten.

Hat Metaversum etwas mit Meta (Facebook) zu tun?

Jein. In dem Fall geht es natürlich um die gleiche Bezeichnung, aber auch um Mark Zuckerbergs Pläne, die er eng mit dem Metaversum verbunden hat.

Das Ziel des Metaversums ist eine Kombination aus virtueller und erweiterter Realität. Die im 20. Jahrhundert fiktionalisierte Idee besteht darin, dass es sich um eine grenzenlose dreidimensionale digitale Welt handelt, die nach den Vorstellungen moderner Techno-Giganten so einfach zu betreten ist wie das Internet. Bisher sieht es aus wie eine etwas tiefergehende Version der virtuellen Realität (VR). Aber viele sind überzeugt, dass das Metaversum eine neu entstandene Zukunft ist. Anstelle eines Computers bietet das Metaversum eine immersive virtuelle Welt mit einem VR-Headset, das digitale Umgebungen zusammenbringen kann. Im Gegensatz zur aktuellen virtuellen Realität, die vor allem für Spiele genutzt wird, kann diese virtuelle Welt für fast alles genutzt werden: Für Arbeitskonferenzen, Spiele, Konzerte, Filme oder einfach zur Entspannung. Der Mensch wird in dieser Welt als sein 3D-Avatar dargestellt.

Das Metaversum kann für Menschen mehr als nur ein “Computerspiel” werden. Es bietet bereits Möglichkeiten, die der Menschheit beispielsweise durch die Pandemie genommen wurden: Arbeiten, Studieren, Kontakte knüpfen und natürlich Shopping. Die Frage ist: Wieviel privater Zeit sind wir bereit, in einer virtuellen Realität zu verbringen, die physisch eigentlich nicht existiert? Da es sich aber bislang nur um ein Konzept handelt, gibt es noch keine einheitliche Definition des Metaversums.

Erste Idee und Metaversum-Entwicklung

Einer der ersten Versuche, das Konzept zum Leben zu erwecken, fand bereits im Jahr 2007 statt. Zu dieser Zeit wurde ein Computerspiel mit Social-Networking-Elementen namens Second Life populär. Rund eine Million Menschen nahmen an einer Vielzahl von Aktivitäten teil: Sie konnten virtuelle Versionen berühmter Orte besuchen, virtuelle und reale Kleidung kaufen und sogar virtuellen Geschlechtsverkehr haben. Darüber hinaus verdienten die Nutzer in Second Life das Geld und einige wurden sogar zu Millionären. Allerdings konnte dieses soziale Netzwerk die Aufmerksamkeit der Menschen nicht lange halten.

Zudem gibt es bereits eine Plattform namens Decentraland, eine „dezentrale virtuelle Welt“, die auf Ethereum basiert. Es ist eine virtuelle Metawelt, in der Nutzer digitale Immobilien ein- und verkaufen können, während sie die Welt erkunden, miteinander interagieren und Spiele spielen. Nutzer von Decentraland haben ihre eigenen Avatare und Spitznamen. Um in die Welt einzutauchen, braucht man in dem Fall eine VR-Brille, sowie einen Account  bei den Plattformen Sandbox, Mirandus oder Axie Infinity.

Das Interesse am Metaversum wurde durch die Pandemie stark beeinflusst. Die Nachfrage nach Fernarbeit-Möglichkeiten und Online-Unterhaltung hat entschieden zugenommen. Obwohl es viele Konzepte für ein Metaversum gibt, basieren die Meisten auf der menschlichen Interaktion. Dies hat die Aufmerksamkeit der großen Unternehmen auf das Thema gelenkt. Facebook, Microsoft und Epic Games gehören natürlich dazu.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat im vergangenen Julivon der Entwicklung eines Metaversums gesprochen und sein Unternehmen “Facebook” im Herbst sogar zu “Meta” umbenannt. Das Unternehmen will 10 Milliarden US $ in die Schaffung eines „Meta Universums“ investieren. Zuckerberg zufolge wird dies eine vollwertige virtuelle Welt für Kommunikation, Arbeit und Unterhaltung werden, in der die Nutzer die physische Präsenz der Anderen spüren können.

“I believe that the metaverse is the next chapter of the internet. Just like we had the mobile internet, I think this is going to be the successor to that […] My guess is we’re probably a few years away from the first thing that really does what you would call augmented reality, and looks like what you would call glasses.
For users, joining the metaverse will be “driven by different things. For some people it’ll be games, for some people it’ll be productivity. One really interesting one that I’ve seen recently is fitness.

Microsoft hat ebenfalls sein Metaversum angekündigt und beschlossen, mit einer Abkehr vom traditionellen Büroalltag auf der Grundlage seiner Azure Cloud-Technologie zu beginnen. Das Unternehmen hat angekündigt, dass sein Videokonferenzdienst Teams bereits in der ersten Jahreshälfte 2022 virtuelle Welten und 3D-Avatare für die Kommunikation, den Datenaustausch und die Arbeit bereitstellen wird.

Meta (Facebook) und Microsoft werden in der Ära des Metaversums natürlich in einem starken Wettbewerb stehen. Microsoft investiert schon seit Jahren in diesen Bereich, arbeitet an der Mixed-Reality Brille HoloLens und kaufte verschiedene Start-ups, darunter die Social-Virtual-Reality-Plattform AltspaceVR.

Warum Investoren aktiv digitale Grundstücke kaufen

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Einführung der Metaversum-Technologien in die Arbeitsprozesse grundlegende Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt nur verstärken wird. Diese hat während der COVID-19 Pandemie begonnen. Anfang dieses Jahres hat die US-amerikanische Beratungsfirma Bain & Company in einer Arbeitsmarktstudie festgestellt, dass diese Pandemie ein Katalysator für längst überfällige Veränderungen war. Diese Pandemie hat unserer Gesellschaft eine komplexe Aufgabe gestellt, die Realität an das neue Arbeitsumfeld anzupassen. Sie zwingt Organisationen aller Größenordnungen zu einem exponentiellen Wandel. Das Metaversum bietet den Unternehmen nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch neue technologische Herausforderungen: Eine Entwicklung ihrer Computernetzwerke, deren Integration mit anderen Arbeitsmitteln, eingängige und flexible IT-Lösungen.

Dass Nutzer im Metaversum virtuelle Grundstücke und andere Dinge (wie z.B. Kleidung für Avatare in Form eines Krypto-Vermögenswertes, eines so genannten Non-fungible Tokens (NFT)) kaufen können, hat starkes Interesse geweckt. Nike hat z.B. den Hersteller virtueller Trainer RTFKT gekauft, um im Metaversum zu handeln. Zudem gibt es bereits mehrere Beispiele für reale Vereinbarungen mit virtuellen Vermögenswerten. So wurde ein Grundstück auf der Plattform The Sandbox für 57.171 $ verkauft. Dies ist jedoch bei weitem nicht der höchste Betrag, den Menschen bereit sind, für virtuelle “Grundstücke” auszugeben. Der Rekord gehört nun einem 565 Quadratmeter großen Grundstück auf Decentraland. Es wurde für 2,4 Mio. $ von Tokens.com erworben, einem kanadischen Dienst für digitale Modeschauen und E-Commerce-Dienste mit Modemarken.

Es ist noch nicht klar, wann ein echtes Metaversum erscheint. So erklärt Mark Zuckerberg optimistisch, dass er das Projekt in 5-7 Jahren umsetzt. Epic Games CEO Tim Sweeney glaubt, dass es Jahrzehnte dauern kann. Es gibt auch keinen Konsens darüber, wie konkurrierende Metaspiele miteinander auskommen und aussehen werden oder wohin das Konzept überhaupt führen wird.

Das Einzige, was man vermuten kann, dass diese Idee ein großes Potenzial hat, unser Leben so zu verändern, wie es das Aufkommen der sozialen Medien und vielleicht sogar des Internets im Allgemeinen verändert hat.

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