Wartezeit bei der Rechtsschutzversicherung: Ab wann sind Sie wirklich versichert?

• Katja Nauck • 2 Kommentare • 

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung direkt vollen Versicherungsschutz genießt. Jedoch gilt bei einigen Leistungen eine Wartezeit, in der die Versicherung noch nicht einspringt. In einer Infografik sehen Sie, wie lang die Wartezeit bei einzelnen Leistungen ausfällt.

  1. Welche Wartezeit gilt bei welcher Leistung?
  2. Was bedeutet die Wartezeit bei einer Rechtsschutzversicherung?
  3. Warum haben manche Bereiche eine sehr lange Wartezeit?
  4. Für welche Leistungen gibt es keine Wartezeit?
  5. Wann sollte man eine Rechtsschutzversicherung abschließen?


Der folgenden Infografik können Sie die Wartezeiten der einzelnen Leistungen mit konkreten Beispielen entnehmen.

Von gar keiner Wartezeit bis hin zu 36 Monaten reicht die Zeitspanne bei der Wartezeit der einzelnen Leistungen. Die Ursachen der Unterschiede werden Absatz 3 erklärt.

Job, Verkehr, Wohnung und Familie – hier kommt es bei den Deutschen am häufigsten zu Streitigkeiten, die am Ende in einer gerichtlichen Auseinandersetzung enden. Eine Rechtsschutzversicherung greift in diesen Fällen dem Betroffenen finanziell unter die Arme und deckt die entstehenden Kosten. In der Regel übernimmt eine Rechtsschutzversicherung die Gerichtskosten, die Anwaltskosten (sowohl vorgerichtlich als auch gerichtlich) und die Kosten für einen Sachverständigen. Jedoch sollte man sich immer im Vorhinein bei der eigenen Rechtsschutzversicherung erkundigen, ob die jeweiligen Leistungen abgedeckt sind und die Kosten für einen Anwalt im speziellen Fall auch übernommen werden. Erst nach einer Zusage sollte der Anwalt beauftragt werden.

Die Rechtsschutzversicherung für private Haushalte gliedert sich in vier Bausteine:

  • Privatrechtsschutz
  • Mietrechtsschutz
  • Berufsrechtsschutz
  • Verkehrsrechtschutz

Diese sind noch einmal in verschiedene Leistungen aufgeteilt, die Sie aus unserer Infografik entnehmen können. Bei einigen dieser Kategorien gilt eine Wartezeit, in der die Versicherung noch nicht für juristische Streitigkeiten eintritt. Das heißt, dass die Versicherung nicht direkt bei Abschluss greift. Für Versicherungsnehmer bedeutet dies also, dass es oftmals nicht ausreicht die Rechtsschutzversicherung erst dann abzuschließen, wenn sich der Rechtsstreit bereits anbahnt oder der Konfliktfall sogar bereits eingetreten ist. Denn dann übernimmt der Versicherer keinerlei Kosten.

Anhand unserer Infografik ergeben sich verschiedene Fragen zur Wartezeit bei Rechtsschutzversicherungen. Warum hat der Privatrechtsschutz in Ehesachen so eine lange Wartezeit wohingegen der Schadenersatz-Rechtsspruch gar keine Wartezeit benötigt?

Vor allem zwei Leistungen des Privatrechtsschutzes haben eine wesentlich längere Wartezeit als andere Leistungen. Bei beiden Leistungen geht es um familienrechtliche Streitigkeiten, bei denen die Anwalts- und Gerichtskosten schnell einen Betrag von mehreren tausend Euro erreichen können. Daher gibt es nur sehr wenige Anbieter, die in ihren Rechtsschutztarifen einen Ehe-Rechtsschutz oder Unterhalts-Rechtsschutz enthalten. Wenn ein Versicherer solch eine Leistung anbietet, dann ist dies meist mit einer sehr langen Wartezeit verbunden. So soll u.a. sichergestellt werden, dass es bei Unterhaltsstreitigkeiten nicht schon Probleme um das Sorgerecht zwischen den beiden Eltern gibt.

Die obige Tabelle enthält alle Leistungen, die keine Wartezeit benötigen und bei denen der Versicherungsschutz direkt eintritt. Der Schadensersatzrechtsschutz in der privaten Rechtsschutzversicherung greift beispielsweise, wenn der Versicherte ein Produkt erwirbt, welches Mängel aufweist. Der Verkäufer lehnt eine Regulierung ab und der Versicherungsnehmer geht vor Gericht. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses stand der Erwerb noch nicht zur Diskussion, deshalb könnte eine Rechtsschutzversicherung in diesem Beispiel in Anspruch genommen werden. Vor diesem Hintergrund des plötzlichen Eintritts des Versicherungsfalls entfällt die Wartezeit auch bei der Verkehrsrechtsschutzversicherung. Ein Unfall ist ebenso wenig vorhersehbar, wie die Radarkontrolle am Straßenrand. Natürlich kann ein Gutachter das Radargerät auf Genauigkeit überprüfen, denn das könnte sich lohnen. Jedoch sind diese Prüfungen sehr kostspielig, sodass sich die meisten Autofahrer dieses Gutachten nicht leisten können. Eine Rechtsschutzversicherung kann diese Kosten übernehmen.

Anders sieht es bei den Wartezeiten im Arbeits- und Mietrechtsschutz aus. Hier können Versicherungsnehmer, die bereits über eine Rechtsschutzversicherung verfügen und den Anbieter wechseln möchten, die Wartezeit umgehen. Die Voraussetzung dafür ist denkbar einfach: Der neue Vertrag muss sich lediglich nahtlos an das Ende des bestehenden Vertrages anschließen.Endet der Altvertrag beispielsweise am 15. März, muss der Versicherungsbeginn für die neue Police auf den 16. März datiert sein. Damit umschifft der Versicherungsnehmer die Wartezeiten.

Wenig überraschend: Eine Rechtsschutzversicherung sollte man so früh wie möglich abschließen. Anhand der Infografik wird deutlich, dass beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung bei vielen Leistungen noch eine Wartezeit zu berücksichtigen ist. Zusätzlich dazu darf die Ursache für die Rechtsstreitigkeit zeitlich nicht schon vor dem Abschluss der Versicherung liegen. Wenn Sie sich bereits in einer Rechtsstreitigkeit befinden, gibt es leider keine Möglichkeit, die Kosten von einer Rechtsschutzversicherung decken zu lassen. Jedoch ist es auch in diesen Fällen ratsam, über einen Rechtsschutz nachzudenken, da es auch in Zukunft zu Auseinandersetzungen kommen könnte.

Eine Rechtsschutzversicherung kann einem bei rechtlichen Streitigkeiten ganz schön aus der Patsche helfen. Haben Sie bereits eine Rechtsschutzversicherung und mussten diese schon mal in Anspruch nehmen? Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungsberichte!

Dieser Artikel wurde am 29.11.2017 aktualisiert.

Katja Nauck war bis November 2016 Social-Media-Managerin bei Friendsurance und verantwortete den Content im Friendsurance Blog. Sie sammelte bereits Erfahrung als Blogredakteurin und Social Media Verantwortliche für verschiedene Startups und Verlage.

2 Meinungen

  1. M. Wag sagt:

    Hallo. Ich habe für meine Familie 2016 eine privatrechtschutz abgeschlossen. 2017 mussten wir sie in Anspruch nehmen. Dieses Jahr bereits zwei mal. Es ist nie zum gerichtlichen Prozess gekommen. Unser Anwalt hat super schnelle Arbeit geleistet. Ich muss dazu sagen, das wir jedes mal über Telefon oder onlinehändler betrogen wurden und dass uns das im vorab eine Menge zusätzlicher kosten bescherrt hat. Aus diesem Grund waren wir froh, das uns unsere Rechtsschutz bis dahin unterstützt hat. Wir haben ein behindertes Kind, was einen erhöhten Mehraufwand, auch finanziell, benötigt. Jetzt würde uns jedoch seitens unserer Rechtsschutz der Vertrag zum 03.2019 gekündigt. Wir hatten den komforttarif und Beiträge wurden immer pünktlich bezahlt. Was kann ich jetzt machen? Können sie bis zum vertragsende weitere Fälle ablehnen oder wären sie dazu verpflichtet diese bis zum Ende zu übernehmen?

    • admin sagt:

      Hallo M.Wag,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Jeder Versicherer hat, ebenso wie der Versicherte, das Recht, nach einem Schadensfall den Vertrag zu kündigen. Daher ist die Kündigung Ihrer Privat-Rechtsschutzversicherung leider rechtens. Bis zum Wirksamwerden der Kündigung steht der Versicherer für alle Fälle jedoch noch in der Leistungspflicht, sofern diese unter die Versicherungsbedingungen des Tarifs fallen.
      Alles Gute und viele Grüße,
      Ihr Friendsurance-Team

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