Zahlt die Haftpflichtversicherung auch innerhalb der Familie?

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Sie besuchen Ihre Tochter und setzen sich gemütlich auf die Couch. Krsch! Das war die teure Designerbrille. Jetzt müsste doch die Haftpflichtversicherung für den Schaden einspringen! So würde man denken. Aber ist das so? Wir erläutern, ob und wann eine Haftpflichtversicherung auch Schäden innerhalb der Familie zahlt.

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Haftpflichtschäden können schneller passieren als man denkt. Damit sind jene Schäden gemeint, die sie selbst bei anderen oder am Eigentum anderer verursachen.  Haftpflichtschäden unterteilt der Versicherer in Personenschäden, Sachschäden und Vermögensschäden. Meistens bewegen sich die Schadenssummen im kleineren dreistelligen Bereich. Wenn jedoch Personen verletzt werden, können mit Operations- und Behandlungskosten auch schnell einmal höhere Summen auf einen zukommen, die mit einer einmaligen Zahlung nicht erledigt sind.

Typische Schadensfälle, die in den Bereich der Haftpflichtversicherung fallen könnten:

  1. Ihre Tochter zieht aus der elterlichen Wohnung aus und Sie helfen beim Umzug. Beim Tragen des Fernsehers rutscht er Ihnen aus der Hand und fällt so unglücklich auf die Treppe, dass er danach nicht mehr funktioniert.
  1. Sie fahren mit dem Fahrrad auf dem Radweg und überholen einen Fahrradfahrer. Dabei übersehen Sie ein parkendes Auto, dass Sie schrammen und dabei den Spiegel mitreißen, während der Fahrer staunend dabei zusieht. Was ist, wenn der Fahrer Ihre Schwester ist, die mit Ihnen im Haushalt lebt?
  1. Sie machen eine Radtour mit der ganzen Familie. Aufgrund Ihres rasanten Überholmanövers auf der Landstraße, fällt ihr Ehepartner so unglücklich vom Rad, dass er operiert werden muss. Zahlt hier Ihre private Haftpflichtversicherung die Operationskosten?

 

Wer in der Haftpflichtversicherung abgesichert ist

Generell ist die Haftpflichtversicherung dafür da, den Versicherungsnehmer vor hohen Schadensersatzansprüchen von Dritten zu bewahren. Sie würde also zahlen, wenn ein Dritter berechtigte finanzielle Forderungen an mich hat, weil ich einen Schaden verursacht habe.

Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung für Ihre gesamte Familie suchen, empfehlen wir Ihnen einen Familientarif. Sie benötigen also nur einen Versicherungsvertrag für beide Ehepartner und alle Kinder. Dies gilt im Übrigen auch, wenn die Ehepartner nicht dauerhaft in einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Familientarife haben etwas höhere Beiträge, weil sie einen Rundum-Schutz bieten. Für Singles gibt es natürlich auch günstigere Tarife mit guten Leistungen. Daher sollte man hier auch bei der Tarifwahl aufpassen.

Wann sind Kinder in der Haftpflichtversicherung inbegriffen?

Kinder sind generell in der Familienhaftpflichtversicherung meist bis zum Ende des Studiums oder der ersten Ausbildung mitversichert. Sobald sie verheiratet sind, eine zweite Ausbildung oder ein zweites Studium beginnen, brauchen Sie allerdings einen eigenen Haftpflichtvertrag. Dabei ist es unerheblich, wie viele Kinder man hat. Hier benötigt man keinen Extravertrag. Die sollten jedoch darauf achten, ob auch Schäden durch schuldunfähige Kinder, also Kinder unter dem 7. Lebensjahr mit abgesichert sind. Sie sind als Eltern nicht haftbar für Schäden, die ein Kleinkind verursacht. Es gibt jedoch Tarife, die auch in diesem Fall zahlen würden.

Wann zahlt die Haftpflichtversicherung innerhalb der Familie?

Die Haftpflichtversicherung zahlt alle Schäden, die die gesamte Familie dritten Personen verursacht. Dies gilt allerdings nur, wenn der Schaden nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde. Was das heißt? Wenn Sie z.B. aus Wut auf jemanden mit Absicht dessen Eigentum beschädigen und dieser Schadenersatz von Ihnen fordert, springt die Haftpflichtversicherung generell nicht dafür ein. Hier ist es auch unerheblich, ob es sich um ein Familienmitglied oder eine fremde Person handelt. Wie sieht es aber mit dem Versicherungsschutz untereinander aus? Zahlt hier die Haftpflichtversicherung ebenfalls?

Das müssen Sie generell zur Haftung innerhalb der Familie wissen:

  • Der Versicherungsanspruch schließt im Allgemeinen die Haftung innerhalb einer Versichertengemeinschaft aus. Das heißt, jene Schäden die die Versicherungsnehmer eines Versicherungsvertrags untereinander verursachen würden.
  • Bei einem Schaden innerhalb der Versichertengemeinschaft eines Vertrags zahlt die Haftpflichtversicherung  nicht, weil der Verursacher auch gleichzeitig der Geschädigte wäre.
  • Ansprüche, die innerhalb der häuslichen Gemeinschaft gegenseitig entstehen könnten, sind vom Versicherungsschutz laut AHB (Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung) des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ausgeschlossen.
  • Kinder, die nicht mehr am Wohnsitz Ihrer Eltern gemeldet sind, aber noch ein eigenes Zimmer im Elternhaus besitzen, würden nicht mehr zu dieser häuslichen Gemeinschaft gehören. Hier müsste also die Haftpflichtversicherung für die Schäden der Eltern gegenüber den Kindern einspringen.

Achtung: Es gibt jedoch durchaus Versicherungstarife der Haftpflichtversicherung, die auch Schäden von versicherten Personen untereinander begleichen. Dies gilt jedoch nur für Personen- und Sachschäden, nicht für Vermögensschäden.

Wer gehört zur häuslichen Gemeinschaft?

Hier handelt es sich um alle im Vertrag mitversicherten Personen, die zusammen in einem Haushalt d.h. in einer Wohnung leben. Das sind laut AHB des GDV:

  • Ehegatten
  • Lebenspartner im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes
  • Eltern und Kinder
  • Großeltern und Enkel
  • Geschwister
  • Pflegeeltern und – kinder

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Unsere Empfehlung zur Haftpflichtversicherung innerhalb der Familie

Wichtig ist in den Fragen der gegenseitigen Haftung innerhalb der Familie generell die Zugehörigkeit zu einem Haushalt. Die meisten Haftpflichtversicherungen würden hier nicht zahlen. Es gibt jedoch durchaus Tarife, die Sach- und Personenschäden innerhalb der Versicherungsgemeinschaft unter Umständen zahlen würden. Wenn innerhalb der Familie ein Schaden passiert ist und Sie sich nicht sicher sind, ob das die Haftpflichtversicherung deckt, sollten Sie das unbedingt mit Ihrem Makler klären oder sich direkt an Ihr Versicherungsunternehmen wenden.

Eventuell kann es auch zu strittigen Fragen kommen, wenn eine Familie z. B. mit den Groß- und Schwiegereltern in einem Mehrfamilienhaus lebt. Es ist allerdings ein Trugschluss, dass man innerhalb dieser Familie eines Mehrfamilienhauses nicht für Schäden haftbar gemacht werden kann. Laut  § 823 BGB gibt es keinen Haftungsausschluss bei Schäden innerhalb der Familie. Im Allgemeinen benötigen Sie eine eigene Haftpflichtversicherung, sobald Sie einen eigenen Haushalt führen, nicht mehr studieren und sich nicht mehr in der Ausbildung befinden. Nur so können Sie sicher gehen, dass Sie bei Schadensersatzansprüchen von Dritten nicht im Regen stehen.

Katja Nauck war bis November 2016 Social-Media-Managerin bei Friendsurance und verantwortete den Content im Friendsurance Blog. Sie sammelte bereits Erfahrung als Blogredakteurin und Social Media Verantwortliche für verschiedene Startups und Verlage.

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