Fristlose Kündigung: Was kann ich tun?

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Sie haben eine fristlose Kündigung erhalten? Dann haben Sie ab jetzt 3 Wochen Zeit, darauf zu reagieren und sich zu wehren. Das macht vor allem Sinn, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben. Weshalb Sie tätig werden sollten und was Sie noch berücksichtigen müssen, erfahren Sie hier.

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1. Die Kündigung auf Rechtmäßigkeit überprüfen

Eine fristlose Kündigung ist Kernbestandteil des § 626 im BGB. Hier steht zusammengefasst, dass ein Arbeitsverhältnis ohne Frist aus einem wichtigen Grund gekündigt werden kann. Dieser Grund muss so schwerwiegend sein, dass unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung aller Interessen ein Arbeitsverhältnis bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht zumutbar ist.

Vor Ausstellen der Kündigung muss der Arbeitgeber mit dem Betriebsrat gesprochen und die Interessen aller Beteiligten abgewägt haben.

Dabei müssen folgende Punkte eingehalten werden:

  • Einhaltung der Frist: Der Arbeitgeber hat von einem schwerwiegenden Grund für die fristlose Kündigung erfahren, für den er Sie beschuldigt. Zwischen der Kenntnisnahme und der außerordentlichen Kündigung dürfen maximal 2 Wochen liegen. Nach der Zeitspanne darf er nur noch eine ordentliche Kündigung aussprechen. Daher ist es ratsam, diese Zeitspanne durch Zeugenaussagen oder Schriftverkehr zu dokumentieren.
  • Die Form muss gewahrt werden: Die fristlose Kündigung erfolgt schriftlich und muss im Original mit der Unterschrift eines Bevollmächtigten persönlich zugestellt werden.
  • Der Grund muss wichtig sein: Vor Gericht muss dieser der Zumutbarkeitsprüfung standhalten. Das bedeutet, dass mildere Mittel wie Abmahnung, Suspendierung oder eine Änderungskündigung nicht ausreichen. Hier entscheidet das Gericht von Fall zu Fall.
  • Alle Interessen werden abgewägt: Selbst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann das Gericht die Kündigung für unwirksam erklären. Grund ist zum Beispiel eine soziale Komponente, die berücksichtigt wird. Dazu zählen Art und Schwere des Grunds, das Alter, Chancen des Arbeitnehmers auf dem Arbeitsmarkt oder Dauer des Arbeitsverhältnisses.

Mögliche Gründe für außerordentlichen Kündigungen:

  • Diebstahl, Betrug oder Veruntreuung
  • Körperliche Bedrohungen gegenüber des Arbeitsgebers/ Kollegen
  • Verstöße gegen das Alkoholverbot
  • Geschäftsschädigendes Verhalten
  • Sexuelle Belästigungen
  • Fälschung von Dokumenten
  • Unerlaubte Urlaubsverlängerung
  • Androhung einer Krankheit

Diese Gründe wurden in der Praxis von Arbeitsgerichten bei einer fristlosen Kündigung anerkannt.

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Sonderkündigungsrechte bei Kleinbetrieben

Kleinbetriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern stellen eine Besonderheit dar. Sie sind nicht an das Kündigungsschutzgesetz gebunden.
Diese Ausnahmeregelung bedeutet allerdings nicht, dass der Arbeitgeber nach eigenem Belieben kündigen darf. Er muss laut
Anwalt.de ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme einhalten und sich an die zivilrechtlichen Generalklauseln halten.

2. Wer darf nicht fristlos gekündigt werden?

Bestimmte Personengruppen sind vor einer fristlosen Kündigung geschützt. Diese dürfen ausschließlich mit einer Ausnahmeregelung der Behörden gekündigt werden. Der Kündigungsschutz gilt laut §1 KSchG für Betriebe mit mehr als 10 Arbeitnehmer und bei einer Betriebszugehörigkeit von mindestens 6 Monaten.

Folgende Personengruppen sind vor fristloser Kündigung geschützt:

  • Schwangere ab dem ersten Tag der Schwangerschaft bis zum Ende des Mutterschutzes
  • Mütter und Väter in Elternzeit
  • Schwerbehinderte
  • Betriebsratzugehörige

Für Väter mit Kindern unter 3 Jahren greift der Kündigungsschutz, sobald der Elternzeitantrag abgeschickt wurde. Befürchten Sie, dass eine fristlose Kündigung ansteht, dann können Sie direkt eine Eltern- bzw. Elternteilzeit beantragen. Vor allem bei internen Umstrukturierungen kann das eine Hilfe sein, die schwierige Phase ohne Jobverlust zu überstehen.

3. Was Sie bei einer Kündigungsschutzklage beachten müssen

Eine fristlose Kündigung ist eine schmerzliche Erfahrung, mit der jeder unterschiedlich umgeht. Wichtig ist, dass Sie sachlich bleiben und sich dagegen wehren, wenn Sie begründeten Verdacht für die Unrechtmäßigkeit haben. Doch Sie müssen flott sein, Ihnen bleiben nur 3 Wochen Zeit. Nach dieser Frist gilt die außerordentliche Kündigung als rechtswirksam. In dieser Folge droht Ihnen zusätzlich eine Sperrung des Arbeitslosengelds bis zu 12 Wochen.

Nach Erhalt können Sie eine Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht erheben. Dafür reichen Sie die fristlose Kündigung, Arbeitsvertrag, Gehaltsnachweise und relevante Unterlagen wie E-Mails oder Zeugenaussagen ein. Nun prüft das Gericht, ob die fristlose Kündigung rechtmäßig ist.

Der Gang zum Arbeitsgericht lohnt sich. Denn laut Dr. jur. R. Hildebrandt sind die Hürden für eine wirksame fristlose Kündigung so hoch, dass viele Kündigungen der Prüfung durch das Gericht nicht standhalten. Es kommt zum Vergleich beider Parteien, die eine ordentliche Kündigung zur Folge hat oder eine Weiterbeschäftigung mit milderen Konsequenzen.

Die Vorteile für eine Umwandlung in eine ordentliche Kündigung liegen auf der Hand:

  • Ihr Gehalt wird bis zum Ende der Kündigungsfrist gezahlt.
  • Es erfolgt keine anschließende Sperrfrist.
  • Ihr Lebenslauf bleibt makellos, da das Ausscheiden zu einem üblichen Termin erfolgte.
  • Ihr Ruf wird nicht beschädigt.
  • Eventuell haben Sie Chancen auf eine Abfindung.

4. Welche Hilfe eine Arbeitsrechtsschutzversicherung bietet

Eine Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrechtschutz schützt Sie vor großen finanziellen Belastungen, wenn Sie die Rechnung für Anwalts- und Gerichtskosten erhalten.

Die Klageerhebung kostet nichts. Auch das Gerichtsverfahren mit positivem Ergebnis ist für Sie kostenlos, wenn Sie sich selbst vertreten. Verlieren Sie jedoch den Prozess, dann tragen Sie alle Kosten inklusive Anwaltskosten der gegnerischen Partei selbst. Mit einer Rechtsschutzversicherung wird Ihnen ein Anwalt gestellt und Sie zahlen keine Gerichts- oder Anwaltskosten.

Sofern Sie nicht über eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft abgesichert sind, ist ein Arbeitsrechtsschutz sinnvoll. Denn laut Statistischem Bundesamt gab es 2014 über 400.00 Klagen vor Arbeitsgerichten in Deutschland. Sie sollten daher nicht warten, bis der Ärger mit Ihrem Chef beginnt.

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Unser Fazit

Eine fristlose Kündigung ist nur unter bestimmten Umständen gerechtfertigt und sollte daher schnellstmöglich angefochten werden. Auch wenn Sie nicht weiter im Betrieb beschäftigt werden möchten, lohnt sich eine Klageerhebung beim zuständigen Arbeitsgericht. Im besten Fall erreichen Sie einen Vergleich zu Ihren Gunsten.

 

Katja Nauck war bis November 2016 Social-Media-Managerin bei Friendsurance und verantwortete den Content im Friendsurance Blog. Sie sammelte bereits Erfahrung als Blogredakteurin und Social Media Verantwortliche für verschiedene Startups und Verlage.

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