Nach Corona: Über 3 Millionen Deutsche planen häufiger online zu arbeiten

• Andra Lipinski • Keine Kommentare • 

Corona hat unseren Alltag geprägt wie kaum ein anderes Ereignis in den letzten Jahrzehnten. Die Pandemie ist zu unserer neuen Normalität geworden und neue Verhaltensweisen haben sich eingestellt, manche davon auf unabsehbare Zeit. Gerade die Digitalisierung scheint durch die veränderte Lage einen richtigen Schub erfahren zu haben, denn sie bietet Möglichkeiten mit den Corona-Einschränkungen besser umgehen zu können. Sie befriedigt also zurzeit manche der wichtigsten Bedürfnisse, allen voran, das Arbeiten in einer sicheren Umgebung. Doch wird sich Homeoffice langfristig durchsetzen können?

Homeoffice und digitales Arbeiten nach Corona

Treibt die Corona-Pandemie hauptsächlich die Digitalisierung bereits digital arbeitender Unternehmen voran?

Schon am Anfang der Pandemie setzten Unternehmen in vielen Bereichen auf Homeoffice als Ausweichvariante der Wahl. So mancher Unternehmensausfall konnte somit verhindert und die Arbeitnehmer zudem vor einer Infektion geschützt werden. Gerade Start-ups und digitale Unternehmen sehen sich in der Krise bestätigt. Homeoffice wird in diesen Unternehmen schon seit Jahren mit Erfolg praktiziert (wenngleich eher als Ausnahme und weniger als Regelarbeitsform), so dass die Umstellung auf Heimarbeit für diese verhältnismäßig reibungslos verlief. Es galt natürlich auch in diesen Unternehmen neue Prozesse zu definieren und die nötigen Tools zu erweitern, die Grundlagen war jedoch bereits gelegt und erprobt. 

Andere Unternehmen (aber auch Institutionen wie z.B. Schulen und Verwaltung) wiederum betraten in den letzten Wochen mit dem digitalen Arbeiten völliges Neuland. Es fehlte an Infrastruktur, Know-How und vor allem an einer gewissen Routine – es war gewissermaßen ein Sprung ins kalte Wasser. Zum einen haben diese Unternehmen (und Institutionen) den Vorteil in einem Bereich tätig zu sein, in dem Digitalisierung überhaupt möglich ist und noch viel unentdecktes Potenzial ausgeschöpft werden kann, zum anderen sind diese auch nach Wochen gewaltiger Umstellungen, immer noch in der Findungsphase. Die digitale Routine muss sich noch einstellen

Wiederum wird in diesen schweren Zeiten so deutlich wie noch nie, dass es auch eine Dritte Kategorie gibt. Denn es liegt in der Natur gewisser Branchen, so gut wie nie Homeoffice anbieten zu können, wenngleich eine gewisse Digitalisierung von Abläufen im Betrieb erfolgt. Etliche Akteure aus systemrelevanten Bereichen – wie Handwerk, Kitas, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Verkehrsbetriebe, Sicherheitseinrichtungen, Gastronomie und Hotels und die Müllabfuhr zum Beispiel – können einen Großteil ihrer Arbeit nur physisch ausüben.

Repräsentative Umfrage belegt: Diese Bevölkerungsgruppen sind dem digitalen Arbeiten gegenüber besonders aufgeschlossen

Laut einer aktuellen repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2.038 Bundesbürgern im Auftrag der Versicherungsplattform Friendsurance arbeiteten bereits vor der Krise beinahe die Hälfte der Deutschen digital / online (47 %, das sind rund 21 Millionen Erwerbstätige). Rund 3,2 Millionen Erwerbstätige (das entspricht 7 %) planen nach der Krise sogar vermehrt im Homeoffice / digital zu arbeiten (Männer mit 9 % etwas mehr als Frauen mit 6 %).

So verbreitet ist digitales Arbeiten in Deutschland

Vor allem Jüngere, bereits online-affine Leute sind dem digitalen Arbeiten gegenüber aufgeschlossen. Rund 15 % unter 35 Jahren gaben an, ihre Arbeit nach dem Ende der Corona-Krise stärker zu digitalisieren, sei es im Homeoffice oder durch die Nutzung digitaler Arbeitsinstrumente am Arbeitsplatz.

Nach Corona: Vor allem Jüngere planen häufiger digital zu arbeiten

Auch der Bildungsgrad scheint einen Einfluss auf die Tendenz zum digitalen Arbeiten zu haben. Unter den Studierenden (mit 14 %) und den Leuten mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss (mit 12 %) gaben deutlich mehr Umfrageteilnehmer an, ihr digitale Tätigkeit als Folge der Pandemie ausbauen zu wollen, als unter Leuten die eine Lehre machen. Da waren es nur 4 %, die dieses beabsichtigen. Das liegt jedoch auch in der Natur der Ausbildungsberufe, in denen digitales Arbeiten auch nur bedingt möglich ist.
Die größte Bereitschaft zum digitalen Arbeiten in Zukunft signalisierten online-affine und vernetzte Umfrageteilnehmer, die sich in der digitalisierten Welt bereits heimisch fühlen. LinkedIn Nutzer gaben an, ihr digitales Arbeiten nach dem Ende der Krise um 22 % zu steigern (im Vergleich zu der Zeit vor der Krise), XING Nutzer um 19 %.

Fazit: Das Homeoffice gewinnt an Perspektive

Für eine stärkere allgemeine Akzeptanz des Homeoffice könnte die Corona-Krise ein deutlicher  Treiber gewesen sein. Zum einen konnten Unternehmen notgedrungen die Erfahrung machen, dass ihre Mitarbeiter auch im heimischen Umfeld konzentriert, effizient und zuverlässig arbeiten, zum anderen eröffnet eine ausgedehnte Möglichkeit der Homeoffice-Nutzung eine ganz andere Perspektive für Arbeitnehmer: eine bessere Work-Life-Balance durch flexible Arbeitszeiten und wegfallende Wegezeiten. Manchen Arbeitnehmern und Selbständigen könnte das digitale Arbeiten (laut Zukunftsinstitut) sogar eine verstärkte Ansiedlung im ländlichen Raum ermöglichen, von wo sie ihre Arbeit digital erbringen können. Das bedeutet perspektivisch zum einen eine Entlastung der Städte, zum anderen eine positive Entwicklung des ländlichen Raums. 
Die Politik möchte den Trend zum Homeoffice zudem unterstützen und in allen Bereichen in denen Heimarbeit möglich ist, ein Anspruch auf Homeoffice gesetzlich festhalten.

Ihre Meinung