Repräsentative Umfrage zeigt: Das Corona-Jahr 2020 trifft Familien besonders hart. Immer mehr Kinder verarmen.

• Andra Lipinski • Keine Kommentare • 

Was für ein Jahr, das bald hinter uns liegt! Mit gemischten Gefühlen blicken wir zurück und mit zaghafter Hoffnung blicken wir auf das kommende Jahr 2021. Es ist wieder einmal Dezember, der Monat der Rückblicke.

Hätte man in den letzten Jahren gefragt: „Wie hat sich Ihr Leben im Vergleich zum Vorjahr verändert?”, so wären die Antworten sehr individuell ausgefallen. In diesem Jahr der „kollektiven Anstrengung”, teilen jedoch ganz viele Menschen die gleichen Erfahrungen und es werden eindeutige gesellschaftliche Trends sichtbar, wie etwa beim Thema Geld.

Jeder Fünfte Deutsche muss mit weniger Geld auskommen als im Vorjahr

Krisen bringen oft, in weiten Teilen der Gesellschaft, Einbußen und finanzielle Unsicherheit mit sich. Typisch für die Corona-Krise ist jedoch, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich verstärkt hat. Das bestätigt eine repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Friendsurance, mit über 2.000 Teilnehmern. Im Durchschnitt hat jeder Fünfte deutsche Haushalt in diesem Jahr weniger Einkommen zur Verfügung (im Vergleich zum Vorjahr). Besonders stark betroffen, sind Haushalte mit einem monatlichen Einkommen von unter 1.000 € netto: Ein Drittel dieser Haushalte müssen mit noch weniger Geld auskommen.

Familien zum Teil doppelt belastet: Weniger Einkommen und gleichzeitig höhere Ausgaben als im Vorjahr

Wenig überraschend: Während beinahe ein Viertel aller Frauen von Einkommenseinbußen betroffen sind, sind es “lediglich” 18% der Männer. Hier macht sich der Rückfall in die klassische Rollenverteilung in den Familien besonders bemerkbar, denn Frauen reduzieren mangels Kinderbetreuung oder zur Unterstützung beim Homeschooling in diesem Jahr öfter ihre Arbeitszeit oder stellen gar ihre Arbeit zeitweilig ein. 

Besonders Familien mit Kindern sehen sich überproportional belastet in diesem Jahr. Während jeder Fünfte Haushalt ohne Kinder angibt weniger verdient zu haben, ist es etwa jeder Dritte Haushalt mit Kindern (29%). 

Allgemein verringert sich besonders in der Alterskategorie der 35- bis 44-Jährigen (der sich häufig auch Eltern mit kleineren Kindern zuordnen lassen) das Einkommen – viel häufiger als in allen anderen Altersgruppen.

Dass Eltern überdurchschnittlich starke pandemiebedingte Einbußen hinnehmen müssen,  bestätigt auch ein Blick auf den Arbeitsmarkt. Da bleiben vor allem Teilzeitbeschäftigte (mit einer Arbeitszeit von 8 bis 29 Stunden pro Woche) 2020 finanziell auf der Strecke. 26% von ihnen geben an, 2020 über weniger Einkommen zu verfügen im Vergleich zum Vorjahr. Häufig praktizieren Familien das Modell, dass ein Partner in Teilzeit (mehrheitlich die Mütter) und der andere Partner in Vollzeit arbeitet, um Kinderbetreuung und finanzielle Absicherung optimal zu vereinbaren. Daher blieben im ersten Lockdown überwiegend die in Teilzeit arbeitenden Elternteile mit den Kindern zu Hause. Gleichzeitig sind Teilzeitstellen coronabedingt häufiger von Betriebsschließungen, Kurzarbeit, Kosteneinsparungen und Verdienstausfällen betroffen. Die staatlichen Hilfen können diese Verdienstausfälle nur partiell abfangen, sodass sich für Teilzeitbeschäftigte hieraus ein höheres finanzielles Defizit ergibt.

Betrachten wir die Ausgaben, sind die Antworten der Eltern geteilt. Manchen Familien (21%) bescherte Corona in der Summe höhere Ausgaben als im letzten Jahr, z.B. durch zusätzliche Käufe zwecks Kinderbeschäftigung, Ausstattung für das Homeschooling, Anschaffungen von Equipment für das Homeoffice (Drucker, externer Bildschirm), höhere Kosten für Verpflegung bei weiterlaufenden Kosten für Schul- und Kitaessen, mehr Ausgaben für Benzin bei weiterlaufenden Kosten für das ÖPNV-Ticket, Kosten für Babysitter, damit beide Eltern zeitgleich arbeiten können oder einfach Masken für alle Familienmitglieder. Hinzu werden mit der Jahres-Nebenkostenabrechnung mitunter höhere Heiz- und Stromkosten kommen, die durch die Zeit des Lockdowns und Homeschoolings besonders bei Familien höher ausfallen werden. Dieser Effekt ist in der Umfrage noch unberücksichtigt.

Auf der anderen Seite, geben ebenfalls 21 % der befragten Familien an, in der Summe weniger als im Vorjahr ausgegeben zu haben, weil sie u.a. weniger für Urlaubsreisen, Restaurantbesuche, Zoobesuche oder Kleidung ausgeben. Die finanziellen Einsparungen dieser Familien überwiegen die auch hier bestehenden pandemiebedingten Sonderausgaben.

Zahl der Kinder in finanzieller Not verdreifacht sich durch Corona

Um den Familien unter die Arme zu greifen, entwickelte der Staat mehrere Programme, z.B.: den Kinderbonus von 300€, den Kinderzuschlag für Familien mit kleinem Einkommen, die Unterstützung für Alleinerziehende, die Lohnfortzahlung wegen Schul- und Kitaschließung von 67 % des Verdienstausfalls oder etwa das Kurzarbeitergeld (für Eltern 67 % des Nettoentgelts in den ersten vier Monaten, statt 60 % für alle anderen). Zudem werden finanziell schwache Familien entlastet durch das Schulbedarfspaket (150 € pro Kind pro Schuljahr, ab 2021 sind es 154,50 €), kostenlose Schülerfahrkarten, kostenloses Mittagessen in Kita und Schule und kostenlose Nachhilfe sowie einen monatlichen Zuschuss von 15 € für die Teilnahme an Sport-, Musik- oder Kunstangeboten.

Wie viele Eltern von Einkommenseinbußen durch die Pandemie betroffen sind und dadurch nur noch schwer das Nötige für ihre Kinder aufbringen können, verdeutlicht eine vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlichte Statistik: Während im Januar 2020 der Kinderzuschlag für 299.168 Kinder gezahlt wurde, waren es im November 2020 beinahe dreimal so viele (888.398 Kinder).

Die “kollektive Anstrengung” fällt für Eltern 2020 überproportional hoch aus. Dabei blieben die schwierigen Konstellationen, in denen beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, noch unerwähnt. Positiv ist, dass ein wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland diese Not erkennt und auch die Mittel aufbringen kann, sie teilweise zu lindern. Das lässt auch äußerst betroffene Familien positiver in die Zukunft blicken.

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